Uniper

Der Energieriese Uniper SE befand sich in Gesprächen mit der deutschen Regierung, um eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen zu übernehmen, da der Erdgasimporteur weiterhin die finanziellen Auswirkungen zu spüren bekommt, wenn Russland seine Exporte des Rohstoffs über die Nord Stream 1-Pipeline nach Europa einstellt.  Deutschland hat zugestimmt, Uniper zu verstaatlichen, indem es die Beteiligung von Fortum an dem Gasimporteur kauft, um den Betrieb zu sichern und sein Geschäft am Laufen zu halten, sagten die drei beteiligten Parteien am Mittwoch.

Uniper Aktie: Verstaatlichung als einziger Lichtblick

Die Bundesregierung plant, der Uniper SE im Rahmen einer historischen Vereinbarung zur Verstaatlichung des Gasgiganten und zur Abwendung eines Zusammenbruchs des Energiesektors des Landes rund 8 Milliarden Euro in die Uniper SE zu spritzen. Dabei würde sich der Ausgabepreis je Aktie bei 1,70 Euro befinden, unter Ausschluss des Bezugsrechts der Aktionäre.

Uniper bestätigte am Dienstag, dass es sich in abschließenden Gesprächen mit der Regierung über ein Paket befindet, das eine Kapitalerhöhung in Höhe von 8 Milliarden Euro beinhalten würde, die vollständig von der Regierung gezeichnet wird. Nach Abschluss der Kapitalerhöhung, die ausschließlich von der Bundesregierung unterzeichnet wird, und dem Aktienkauf wird die Bundesregierung rund 99 Prozent an Uniper halten, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Berlin wird auch die Aktien seines Hauptaktionärs, der finnischen Fortum Oyj, kaufen. Die neue Vereinbarung würde einen Rettungsplan vom Juli ersetzen, der eine 30-prozentige Beteiligung der Regierung an Uniper vorsah.

Uniper in der Krise – 99% sollen aufgekauft werden

Uniper befindet sich im Epizentrum der Krise, die durch Moskaus Bemühungen ausgelöst wurde, Energieflüsse als Vergeltung für kriegsbedingte Sanktionen zu kürzen. Die Regierung stand unter Handlungsdruck, da der Zusammenbruch des Unternehmens sich auf Europas größte Volkswirtschaft auswirken und auch die Kraftstoffversorgung gefährden könnte. Indes stürzte die Uniper Aktie um über 18,77% auf 3,37 EUR ein.

Steigende Gaspreise und Russlands Engpässe bei den Lieferungen nach Europa haben bereits zu einer Reihe von Rettungspaketen und Rettungskrediten geführt. Aber diese Maßnahmen werden angesichts des Ausmaßes der Krise zunehmend in den Schatten gestellt, und es bestand die Gefahr, dass systemische Energieversorger ohne robustere staatliche Unterstützung zusammenbrechen.

Da Russlands Hauptleitung nach Deutschland abgeschnitten ist, muss Uniper alternative Lieferungen vom Spotmarkt beziehen, um seine Kunden zu bedienen, zu denen Hersteller und lokale Versorgungsunternehmen gehören. Der Preisschub beschert dem Unternehmen täglich Verluste von bis zu 100 Millionen Euro.

Fortum Aktie steigt indes – und wird Uniper veräußern

Die Fortum Aktie stieg indes um über 14 %, bevor der Handel von der Börse gestoppt wurde. Fortum wird ein 4 Milliarden Euro Darlehen der Muttergesellschaft zurückgezahlt und von seiner Mutterbürgschaft befreit, die es Uniper Anfang dieses Jahres gegeben hatte. Der Staat sieht voraus, den 56%igen Anteil von Fortum aufzukaufen.

„Seit der Einigung über das Stabilisierungspaket für Uniper im Juli hat sich die Lage von Uniper weiter rapide und deutlich verschlechtert; daher wurden neue Maßnahmen zur Lösung der Situation vereinbart“, teilte Fortum am Mittwochmorgen in einer Erklärung mit. „Angesichts der aktuellen Umstände auf den europäischen Energiemärkten und in Anbetracht der ernsten Situation von Uniper ist die Veräußerung von Uniper der richtige Schritt, nicht nur für Uniper, sondern auch für Fortum“, sagte Markus Rauramo, CEO von Fortum.

Uniper Aktie Verstaatlichung ist für die Politik hochsensibel

Die Bundesregierung befindet sich auch in Gesprächen über die Übernahme von mindestens zwei weiteren Unternehmen, was ein koordinierter Schlag werden könnte. Politisch ist der Schritt für Scholz und seine beiden Koalitionspartner, die Grünen und die FDP, hochsensibel.

Angesichts einer öffentlichen Gegenreaktion muss der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck, ein ehemaliger Co-Vorsitzender der Grünen, möglicherweise einen Plan zur Einführung einer Gasabgabe für Verbraucher, die dazu beitragen sollte, die Kosten der Krise auszugleichen, hinauszögern oder aufgeben.

Die Abgabe sollte rund 34 Milliarden Euro einbringen und der Großteil der Einnahmen wäre Uniper zugeflossen. Ein Verzicht auf die Maßnahmen könnte Fragen zur Finanzierung des Rettungspakets aufwerfen.

Finanzminister Christian Lindner seinerseits könnte gezwungen sein, einen bei seiner FDP-Partei beliebten Plan fallen zu lassen, im nächsten Jahr zu den verfassungsmäßigen Schuldengrenzen zurückzukehren, da die Regierung versucht, die Überschwappen durch die steigenden Energiekosten einzudämmen.

Auch Finnland wird unter Druck gesetzt

Auch in Finnland ist die Regierung wegen ihres Umgangs mit der Rettungsaktion von Oppositionsparteien stark unter Druck gesetzt worden. Es sieht sich nun mit zwei am Dienstag eingereichten Misstrauensanträgen konfrontiert, bei denen der Gesetzgeber das Kabinett wegen gescheiterter Verhandlungen mit Deutschland und einer Verschwendung von Steuergeldern beschimpft.

Unabhängig davon bestätigte Fortum, dass sich die Verhandlungen in der Endphase befinden. Dies inkludiert den Verkauf der Uniper-Aktien von Fortum an den deutschen Staat, die Rückgabe der Uniper von Fortum gewährten Finanzierung sowie eine geplante Kapitalzufuhr des deutschen Staates an Uniper.

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